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Maskenpflicht

 

 

 

Jaja, ich sehe es ein, diese Mund-Nasen-Bedeckungen sind lebenswichtig und schützen andere vor meinen potentiell bösen Viren. Aber sie sind leider auch äußerst lästig. Ich bekomme keine Luft darunter, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass ich Allergikerin bin und meine Nase wegen der vielen Pollen, die im Moment durch die Luft schwirren, ihren Dienst teilweise versagt. Dafür läuft sie mitunter, als gelte es einen Marathon zu absolvieren. Sind Sie auch allergisch veranlagt? Dann haben Sie diese Szene in etwa auch schon erlebt. Sie stehen vor der Rheidter oder Ranzeler Käsetheke stehen und machen durch den Schalldämpfer ihre Ansage: „Ein Stück Appenzeller, bitte!“ Die Verkäuferin schaut Sie an, als hätte sie nur „Bahnhof“ verstanden. An ihr Ohr drangen einzig die Vokale „Ei.. ..ü.. A..e...e..i .e“ - und sie bittet Sie, Ihren Wunsch zu wiederholen. Doch die Pollen, die Sie von draußen mit hereingebracht haben, erweisen sich als wahre Teufelchen und drehen den Hydranten, der sich oben in Ihrer Nase befindet, nun richtig auf. Sie ziehen ein Papiertaschentuch aus der Jackentasche und werden sich mal wieder der Situation bewusst: Es ist MaskenPFLICHT! Doch wie putzt man sich nun die Nase, wenn das Riechorgan bedeckt ist? Hier sind Sie, wenn Sie den Maskentyp mit den Bindebändern bevorzugen, klar im Vorteil. Sie lösen das untere Band, halten mit der linken Hand den Stoff fest und setzen mit der Rechten das Taschentuch an. Dann binden Sie den Mund-Nasenschutz wieder ordnungsgemäß fest und wiederholen den Wunsch nach einem Stück Appenzeller, dieses Mal so klar und deutlich wie möglich. Die Schlange der missgelaunten Kunden, die sich hinter Ihnen gebildet hat, ignorieren Sie einfach. Und den sich oberhalb der Stoffsäume befindlichen bösen Blicken, die sich in ihren Rücken zu bohren scheinen, entkommen Sie am besten, wenn Sie nach der Entgegennahme der Käsetüte in Richtung Tiefkühlspinat weiterziehen.

 

Was mich an den Dingern außerdem stört, ist der umständliche Umgang mit den Masken. Sie sollen ja hygienisch, also sauber sein, sonst sind sie nutzlos. Also sollte man sie nur an den Haltebändern anfassen, ist doch logisch, oder? Aber in der Praxis sieht das anders aus. Glauben Sie nicht? Dann beobachten Sie mal die Kunden auf dem Parkplatz, wenn sie aus dem Supermarkt kommen. Manche reißen sich das Teil sofort vom Gesicht, um es achtlos in die Tasche zu stopfen, andere warten damit, bis sie im Auto sitzen. Ob beim nächsten Einkaufsziel eine frische Maske zum Einsatz kommt? Gibt aber auch die Leute, die mit dem Teil im Gesicht anschließend noch zum Drogeriemarkt fahren. Das würde zwar im Falle einer polizeilichen Überprüfung eine Ordnungswidrigkeit darstellen, ist aber hygienisch sicher unbedenklicher als die erste Variante.

 

Auch die optische Wirkung der Stoffteile ist frappant., vor allem bei Männern. Dass Frauen sich zu ihrer Kleidung farblich passende Sortimente an Karo- oder Herzchen-Masken zulegen, war zu erwarten. Aber die qequälten Blicke tättowierter Muskel-Pakete unter Streublümchen-Masken entbehren nicht einer gewissen Komik. Manche Männer greifen daher mangels Alternativen auf Pünktchen zurück, wenn Schottenkaros gerade vergriffen sind. Aber auch das wirkt statt maskulin eher niedlich.

 

Doch auch wir Frauen leiden: Make-up und Rouge hinterlassen hässliche Flecken auf der Innenseite der Masken, vom Lippenstift ganz zu schweigen. Warum soll man sich morgens perfekt stylen, wenn doch die ganze Schminke im Stoff kleben bleibt?

 

Und dann das Wichtigste: Was man sonst in der Mimik seiner Gegenüber sieht, muss man nun den in deren Augen lesen. Ärger oder Ungeduld lassen sich nur schwer unterscheiden. Lachende Augen erkennt man dagegen immer. Ein Grund mehr, sich den Humor zu bewahren und eine gewisse Lässigkeit an den Tag zu legen. Einfach die Maske akzeptieren, denn sie beschert uns in diesen Zeiten wieder eine gewisse Normalität.

 

Aber vor allem: Wenn wir sie tragen, schützen wir Leben!